April 2018 – DIE SPÄTEN SCHÜLER

DIE SPÄTEN SCHÜLER IN DER KÜNSTLERKOLONIE

03.04. – 29.04.18

Der 1. Weltkrieg brachte einen tiefen Einschnitt in das Schaffen der Schwaaner Maler. Draewing, Bartels und Heinsohn wurden zum Militärdienst eingezogen und verließen danach die heimatliche Kleinstadt. Nur Rudolf Bechstein blieb während der Kriegsjahre in Schwaan. Wenngleich sich die Malerkolonie nicht vollends auflöste, waren die fruchtbaren Jahre beendet. Franz Bunke fühlte sich auch weiterhin seiner Heimatstadt verbunden und kam regelmäßig nach Schwaan, allein oder mit Schülern. Zu ihnen zählen die ausgezeichneten Schweriner Landschafter Erich Venzmer und Wilhelm Facklam. Nach Franz Bunkes Tod und dem Ausbruch des 2. Weltkrieges siedelten sich jahrzehntelang keine Maler in Schwaan an. Die Künstlerkolonie geriet zunehmend in Vergessenheit, das Werk ihrer einstigen Vertreter bleibt herausragend für die Kunst im norddeutschen Raum.

Rudolf Bechstein (Ilmenau 1897 – 1961 Ilmenau)
Nach erster Ausstellungsbeteiligung 1920 in Weimar Schüler von Franz Bunke. Stellte mit Erfolg unter anderem in Weimar, Eisenach und Schwerin aus. Längere Studienreisen führen ihn nach Schwaan, an die Ostsee und nach Oberbayern. Von 1934 bis 1950 in Sitzendorf im Schwarzatal ansässig, danach kehrt er nach Ilmenau zurück.

Wilhelm Facklam (Upahl 1893 – 1972 Winkelhaid )
1914 erster Zeichenunterricht bei Ludwig Dettmann in Schwerin. Von 1920 – 1922 Unterricht bei Franz Bunke in Schwaan und Weimar. Anschließend in Schwerin als Landschaftsmaler freiberuflich tätig. Betrieb eine Malschule für Interessenten, an der auch der bekannte Schweriner Maler Carl Hinrichs ersten Unterricht erhielt.

Erich Venzmer (Rostock 1893 – 1975 Mainz)
Ab 1908 in den Ferien erster Unterricht bei Franz Bunke in Schwaan. Nach dem Kriegsdienst Besuch der Kunstgewerbeschule in Hamburg. Anschließende Ausbildung zum Lehrer am berufspädagogischen Institut Berlin-Charlottenburg. Ab 1923 bis 1941 als Kunstpädagoge in Schwerin tätig. 1945 bis 1948 Oberregierungsrat in der Landesverwaltung und Gründer der Sektion Bildende Kunst beim Kulturbund. Danach bis 1958 Leiter der Gemäldegalerie des Staatlichen Museums Schwerin, später freiberuflich. Mitglied im Künstlerbund seit 1923.

Helene Dolberg (Barkow 1881 – 1979 Hildesheim)
Tochter eines Pastors. Sie besuchte die Malerinnenschule in Berlin Schlachtensee. Nach der Ausbildung zur Lehrerin war sie in der Eifel tätig. Ab 1920 dann in Rostock ansässig, es folgte von 1924 – 1927 ein Malstudium in Leipzig. Sie arbeitete ab 1930 als Organistin in Malchow. 1946 bis 1954 folgte ein erneuter Wohnwechsel nach Rostock

Otto Tarnogrocki (Lobsens 1885 – 1946 Nienhagen)
Studium in Weimar, Stuttgart und Paris, ab 1904 in Stettin ansässig, 1944 ausgebombt und Rückkehr nach Mecklenburg, mehrere Malaufenthalte in Schwaan, wo er gemeinsam mit Bunke, Bartels und Heinsohn die Mecklenburg – Pommersche Künstlervereinigung gründet. Malte impressionistische Landschaften und Stettiner Hafenszenen.

Otto Bartels (Schwaan 1874 – 1958 Rostock)
Der Bruder von Rudolf Bartels erlernt in Rostock Holzbildhauerei und modelliert später mit seinem Bruder Carl mit Gips und Mörtel an verschiedenen Stuckprojekten, unter anderem im Bayrischen Landtag in München und im Reichsgericht Leipzig. Nach dem Ersten Weltkrieg Besuch der Kunstgewerbeschule Hannover und der jetzt Staatlichen Hochschule für bildende Kunst Weimar mit dem Hauptfach Porträtmalerei. Seit 1917 in Rostock ansässig.


Paul Riess (Fichtwerder 1857 – 1933 Dessau)
Nach einer Lehre als Dekorationsmaler begann er das Studium an der Weimarer Malerschule und wurde Meisterschüler bei Theodor Hagen. Seit 1891 unternahm er mit Franz Bunke erste Naturstudien in Schwaan. Seit 1896 lebte er in Dessau und entdeckte dort die Schönheit der Elbe- und Muldeauen.