„Neues aus Hiddensee. Insel der Malerinnen“
Ausstellung vom 25.04.2026 – 19.07.2026
Künstlerkolonien boten Künstlerinnen des frühen 20. Jahrhunderts eine besondere Möglichkeit der Ausbildung, der künstlerischen Tätigkeit und des Austauschs. In Worpswede und Dachau, Dangast, Ahrenshoop und Hiddensee bildeten sich diese Zentren künstlerischen Treibens. Die Möglichkeit zu künstlerischem Diskurs, gegenseitiger Inspiration und gemeinschaftlicher Ausstellungstätigkeit stellen signifikante Merkmale einer Künstlerkolonie dar. Sesshaft gewordene Künstler, die auf Broterwerb angewiesen waren, gründeten hier oft Malschulen, die wiederum Anlaufpunkt für Künstlerinnen wurden. So gründete z.B. Paul Müller-Kaempff die Malschule St. Lukas in Ahrenshoop und Otto Modersohn in Worpswede. Schon bald gab es so viele Künstlerinnen in den genannten Kolonien, dass Ihrem Phänomen der Name des „Malweibes“ verliehen wurde. Eine Bezeichnung, die auch mit Häme und Geringschätzung einherging. Die Bedeutung, die Paris im frühen 20. Jahrhundert hatte, ging in den folgenden Jahrzehnten auf die Stadt Berlin über. Sie wurde Sitz der Künstlervereinigung der „Secession“ und „Neuen Secession“, der „Brücke“ und des „Sturms“. Viele der Künstlerinnen zog es in die Metropole Berlin, die nun auch Hauptstadt der Kunstentwicklung wurde und brachten ihre moderne Sichtweise mit, wenn sie idyllische Gefilde wie Hiddensee aufsuchten, um die Landschaft zu malen. Als ernsthafte, der Kunst verpflichtete Malerinnen mussten sich die Frauen noch lange gegen das Vorurteil ankämpfen, sich als Malweiber an der Staffelei zu versuchen, bis sie standesgemäß heiraten konnten. Ein Blick auf die Künstlerkolonie in Hiddensee offenbart Ähnliches. Elisabeth Büchsel genoss Ihre Ausbildung unter anderem an der Malschule des Vereins der Berliner Künstlerinnen, bevor sie an die Privatschule Atelier Colarossi nach Paris ging. Es folgte eine weitere Etappe an der Akademie des Münchner Künstlerinnenvereins. Elisabeth Büchsel gehörte gemeinsam mit Clara Arnheim und Henni Lehmann zum Vorstand des Hiddensoer Künstlerinnenbundes, der auf Initiative der Malerin Henni Lehmann im Jahre 1919 gegründet wurde. Weitere Mitglieder waren Käthe Loewenthal, Katharina Bamberg und Elisabeth Andrae, später auch Julie Wolfthorn und Dorothea Stroschein. Gemeinsam stellten sie in der Kunstscheune in Vitte aus, die später auch als Blaue Scheune bekannt wurde. Hiddensee – zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Sommertreffpunkt für die künstlerische Avantgarde Berlins – wurde so auch zu einem Schauplatz der Moderne in Sachen „Frauenkunst“. 1933 ging der Künstlerinnenbund zugrunde. Etliche Malerinnen galten unabhängig von ihrer tatsächlichen Religionszugehörigkeit als jüdisch und mussten die Insel verlassen: Henni Lehmann nahm sich 1937 das Leben, Clara Arnheim, Käthe Loewenthal und Julie Wolfthorn wurden verfolgt und deportiert. Elisabeth Büchsel überlebte den Zweiten Weltkrieg und malte bis ins hohe Alter. Den Künstlerinnenbund konnten sie nicht wiederbeleben.
Die Ausstellung „Neues aus Hiddensee. Insel der Malerinnen“ widmet sich explizit nur den Künstlerinnen der Insel, um Ihr Werk zu würdigen und die besonderen Konditionen zu vermitteln, in dem es entstand. Gezeigt werden Werke, die zum Teil noch nie der Öffentlichkeit präsentiert wurden und aus privaten Sammlungen sowie Museumsbesitz stammen.




