Landschaftsmaler zu Gast in Schwaan

 


 

Neben zahlreichen Gründungen von Künstlerkolonien in ganz Europa entstand auch in Schwaan um 1880/85 eine
Gemeinschaft mit der Besonderheit, dass sie vor allem durch einheimische Maler geprägt ist. Die gebürtigen Schwaaner Franz Bunke, Rudolf Bartels, Peter Paul Draewing und der Hamburger Alfred Heinsohn bildeten deren Hauptsäulen. Alle vier Maler erhielten ihre Ausbildung an der renommierten Weimarer Malschule bei Theodor Hagen. Mit dem 1. Weltkrieg endet die produktivste Zeit der einzigen Künstlerkolonie Mecklenburgs. Nach umfangreichen Sanierungsarbeiten der alten Wassermühle, die um 1790 im Auftrag des Herzogs von Mecklenburg errichtet wurde, konnte im Oktober 2002 das Kunstmuseum seine Türen für die Besucher öffnen. Den Schwerpunkt der Sammlung, bilden die Werke der Schwaaner Malergemeinschaft mit Landschaften, Stillleben und figürlichen Darstellungen


Carl Malchin (Kröpelin 1838 – 1923 Schwerin)

Erlernt den Beruf eines Geometers in Schwaan und entdeckte hier vermutlich durch die Maler Otto Dörr und Eduard Ehrke die Neigung zur Kunst. 1860 – 62 Studium am Polytechnikum München, anschließend in Rostock und am Landesvermessungsamt Schwerin tätig. 1873 – 79 Studium an der Weimarer Malschule bei Theodor Hagen und Albert Brendel. 1879 – 1915 Restaurator der Großherzoglichen Gemäldesammlung in Schwerin mit reichlich Raum für die eigene Malerei. 1890 Professor. Malchin ist der bedeutendste Landschaftsmaler der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts in Mecklenburg.

Paul Riess (Fichtwerder 1857 – 1933 Dessau)

Lehre als Dekorationsmaler, danach Studium an der Weimarer Malschule und Meisterschüler bei Theodor Hagen. Erste Naturstudien mit Bunke ab 1891 in Schwaan. Ab 1896 in Dessau, entdeckt dort die Schönheit der Elbe- und Muldeauen.

Paul Baum (Meißen 1859 – 1932 San Gimignano)

Nach der Ausbildung an der Meißener Porzellan-Manufaktur 1877 Studium an der Dresdner Akademie. Ab 1878 folgt ein
Studium gemeinsam mit Franz Bunke bei Theodor Hagen in Weimar. Mehrere Malreisen mit Bunke nach Schwaan. Ab 1913 Professor an der Dresdner Akademie und ab 1918 an der Kunstakademie Kassel. Herausragender Landschaftsmaler Deutschlands.

Richard Starcke (Naumburg 1864 – 1945 Weimar)

Bekannt als Maler, Illustrator und Radierer in Weimar. Studium an der Akademie in Berlin und an der Weimarer Malschule, hier bei Leopold Graf von Kalckreuth. Siedelt sich in Weimar an, malt Charakterköpfe und ländliche Menschengruppen. Häufiger Gast bei Franz Bunke in Schwaan.

Otto Bartels (Schwaan 1874 – 1958 Rostock)

Der Bruder von Rudolf Bartels erlernt in Rostock Holzbildhauerei und modelliert später mit seinem Bruder Carl mit Gips und Mörtel an verschiedenen Stuckprojekten, unter anderem im Bayrischen Landtag in München und im Reichsgericht Leipzig. Nach dem Ersten Weltkrieg Besuch der Kunstgewerbeschule Die Landschaftsmaler der Künstlerkolonie Schwaan Hannover und der nun Staatlichen Hochschule für bildende Kunst Weimar mit dem Hauptfach Porträtmalerei. Seit 1917 in Rostock ansässig.

Reinhold Neubert (Magdeburg 1880 – ??)

Bildnis- und Landschaftsmaler. Studiert in Weimar und Paris. Als Schüler von Franz Bunke in Schwaan.
Weitere Informationen liegen uns leider nicht vor.

Wilhelm Facklam (Upahl 1893 – 1972 Winkelhaid)

1914 erster Zeichenunterricht bei Ludwig Dettmann in Schwerin. Von 1920 – 22 Unterricht bei Franz Bunke in Schwaan und Weimar. Anschließend in Schwerin als Landschaftsmaler freiberuflich tätig. Betrieb eine Malschule für Interessenten, an der auch der bekannte Schweriner Maler Carl Hinrichs ersten Unterricht erhielt.

Erich Venzmer (Rostock 1893 – 1975 Mainz)

Ab 1908 in den Ferien erster Unterricht bei Franz Bunke in Schwaan. Nach dem Kriegsdienst Besuch der Kunstgewerbeschule in Hamburg und des berufspädagogischen Instituts Berlin-Charlottenburg. 1923 bis 1941 als Kunstpädagoge in Schwerin. 1945 bis 1948 Oberregierungsrat in der Landesverwaltung und Gründer der Sektion Bildende Kunst. Danach bis 1958 Leiter der Gemäldegalerie am Staatlichen Museum Schwerin. Mitglied im Künstlerbund seit 1923.

Rudolf Bechstein (Ilmenau 1897 – 1961 Ilmenau)

Nach erster Ausstellungsbeteiligung 1920 in Weimar Schüler von Franz Bunke. Stellte mit Erfolg unter anderem in Weimar, Eisenach und Schwerin aus. Längere Studienreisen führen ihn nach Schwaan, an die Ostsee und nach Oberbayern. Von 1934 bis 1950 in Sitzendorf im Schwarzatal ansässig, danach kehrt er nach Ilmenau zurück.