Fest für die Sinne Aktmalerei von Otto Niemeyer-Holstein

Ausstellung vom 04.12.2021 – 31.01.2021

Im Jahr 1926 malt Otto Niemeyer-Holstein ein Bild mit dem Titel „liegender Akt (Anneliese). Es ist sein erstes Aktbild und zeigt seine Ehefrau Anneliese Niemeyer.

Dieses Gemälde stellt den Beginn einer lebenslangen Auseinandersetzung des Malers mit dem menschlichen Körper dar. Er wird die essentiellen Daseinsformen des Menschen – sitzend, liegend, stehend  – bis zu seinem Tode in mannigfaltiger Weise variieren. Er wird seine Akte als Halbakte, Rückenakte, Akte im Freien und Doppelakte umsetzen und mit der ihm eigenen Bildsprache einzigartige Werke der Aktmalerei schaffen.

Otto Niemeyer-Holstein behandelt seine Akte wie Landschaften. Er ist der Maler der Gegenwärtigkeit, der eine Welle kurz vor dem Brechen, oder die Rose vor dem Welken, den Garten vor dem Erwachen im Frühling darstellt. Stets klingt die noch unsichtbare Geschichte einer Erscheinung in seinen Bildern an. In seinen Werken geht es nicht um Augenblicklichkeit, sondern um ein tiefes Verständnis von Werden und Vergehen, das er aufzeichnet.

Niemeyer-Holsteins Akte zeugen zunächst noch von der greifbaren Plastizität des Körperlichen. In den 60er und 70er Jahren beschäftigt sich der Künstler intensiv mit dem Akt. Seine Figuren lösen sich zunehmend in Farbe und Licht auf.

Er bedient sich dabei des Mittels der Unschärfe. Unschärfe ist ein gestalterisches Prinzip, dass der Unmöglichkeit des Augenblicklichen Rechnung trägt und Raum lässt für Entfaltung des sinnlichen, des tiefen, des menschlichen Ausdrucks seiner Akte.

Auch in Otto Niemeyer-Holsteins Akt dominiert das Bild der Frau, nur eine einzige Darstellung zeigt das Bild eines sitzenden jungen Mannes. Seine Modelle waren oft seine Frau Annelise, aber auch Partnerinnen befreundeter Maler. Eine Besonderheit stellen die Modelle dar, die er durch den Modefotografen Günther Rösler kennen lernte, der in den 70 er Jahren des letzten Jahrhunderts für die Modezeitschrift „Sybille“ eine Fotostrecke zum „Modell im Künstleratelier“ fotografierte. Den reifen Maler interessierte sein Gegenüber in Gestalt der jungen, schönen Frau besonders.

Otto Niemeyer-Holsteins Akte sind frei von vordergründiger Erotik und dennoch sinnlich. Der Maler benutzt die Unschärfe nicht nur als gestalterisches Prinzip, sondern auch zu subtiler Andeutung. Er spielt mit den kunstgeschichtlich überlieferten Posen der Aktmalerei, setzt ein Pudica-Motiv ein, malt eine Schlafende oder einen Akt im Spiegel. 

Er zelebriert das Körperliche, nicht das Persönliche. Seine Akte sind keine Porträts, sondern intime Beobachtungen des Körpers, die er im Zeitlichen auflöst. Otto Niemeyer-Holsteins Akte stehen über der wechselnden Launen von Gesellschaften, die mal prüder, mal offener dem menschlichen Körper begegnen. Es sind Werke der Kunst.

Niemeyer-Holsteins Akt- Gemälde wirken wie Huldigungen an die Natürlichkeit des Nackten. Sie sind in ihrer unaufdringlichen Sinnlichkeit, ihren stillen Posen Zeugnis von respektvoller Nähe zwischen Modell und Maler.  Durch ihre gestalterische Verwandtschaft mit den Landschaften des Malers ordnen sie sich in den Kontext des Oevres Niemeyer-Holsteins ein.

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