Große MV Kunstschau in Schwaan

Vom Groben zum Feinen – “Durch die Mühle gejagt“ –

22.06. – 31.08.2019

Die landesweite Kunstschau wird jährlich an einem anderen Ort im Bundesland ausgerichtet. Dabei ist das Kunstmuseum Schwaan neben seiner zentralen Lage in Mecklenburg-Vorpommern besonders interessant, da es selbst eine ehemalige Künstlerkolonie ist. Der im Jahr 1990 gegründete Künstlerbund Mecklenburg und Vorpommern e.V. im BBK zählt rund 300 Mitglieder und vertritt die Interessen der professionellen Kunstschaffenden des Landes.

Künstlerbund MV

„Durch die Mühle gejagt werden“ meint als Redewendung, dass eine Handlungsweise vollkommen überarbeitet oder neu gedacht wird. Mit dem Wasserrad, das stetig Wasser schaufelt, werden Umwälzungen vorgenommen.

Dieses lässt sich auch auf gestalterische Vorgänge übertragen, insbesondere, wenn das Mahlen selbst unter die Lupe genommen wird. Mahlen ist ein formaler Prozess: das Grobe wird zerrieben, Körner werden zerkleinert und für weite Arbeitsvorgänge zubereitet. Das Zerreiben und Mahlen erinnern dabei an künstlerische Arbeitsvorgänge, wie das Herstellen von Pigmenten und Bindemittel, die aus Mineralien, Pflanzen oder Tieren gewonnen werden. Formen werden gesammelt, gestreut, angehäuft, strukturiert und wieder durcheinandergewirbelt. Genauso werden die Gedanken durch die Mühle gedreht, um Festgefahrenes aufzureiben, umzuwälzen und etwas Neues auf einem Grundstoff, einer kulturellen Tradition oder Routine zu entwickeln.

Bereits Leonardo da Vinci befasste sich mit Mühlen im Zusammenhang mit Wasserwirbeln und Mechaniken, die ursprünglich aus der Antike, aus Vitruvs 10. Buch über Architektur stammen. Naturwissenschaft und Mystik verschmelzen häufig bei Leonardos Untersuchungen, si auch in der Kulturgeschichte der Mühle: Sie ist ein gern genutzter Schmugglertreff und steht auch im Märchen für Prozesse des Austauschs, der Wandlung und der Transgression. Wie beispielsweise in Otfried Preußlers düsterem, modernem Märchen „Krabat“ können sich in der Mühle alchemistische Vorgänge abspielen.

Auch bei dem alten Handwerk geht es im Wesentlichen um Wandlungen: Die Getreideverarbeitung ist ein Kulturvorgang, mit dem die Hersteller von Brot möglich wird. Die Maschine übernimmt die mühsame Handarbeit und ermöglicht die Produktion von Mehr in großen Mengen für eine wachsende und sich ausdifferenzierende Gesellschaft. Mit dem alten Handwerk wird eine Verfeinerung  von Lebensmitteln vorgenommen.

Auch wenn die Mühle im Zuge der weiteren Industrialisierung ihre Aufgabe an großen Fabriken verloren hat, sich Verfeinerungsprozesse maßgeblicher  Bestandteil von kultureller und wirtschaftlicher Entwicklung.  In der Landwirtschaft wird Getreide immer weiter mithilfe von Chemie und Gentechnik optimiert. Haben wir es hier noch mit Verfeinerung zu tun oder fordert die globale Lebensmittelproduktion vielmehr eine Vereinheitlichung von Pflanzenarten, die auf eine eher „grobe“ Umgangsweise mit dem Lebendigen verweisen?

So steht der Optimierung von Getreidesorten auch die Weiterverarbeitung zu Biotreibstoff gegenüber.

Die Schwaaner Wassermühle wurde im Auftrag des Fürsten zu Mecklenburg zur Stärkung ihrer Macht gebaut. Die genaue Entstehungszeit ist nicht mehr dokumentiert. Der heutige Bau geht auf das Jahr 1791 zurück. 1850 wurde sie an die Stadt Schwaan verkauft. Nach dem Zweiten Weltkrieg verlor sie an Bedeutung und diente in den 1960er Jahren der  Futtermittelproduktion. Die Geschichte der Mühle ist eng mit der (land-) wirtschaftlichen und  politischen Entwicklung Mecklenburgs verknüpft. 2002 eröffnete in dem Gebäude das Kunstmuseum, das sich den ehemaligen Malern der Schwaaner Künstlerkolonie widmet. Die Mühle ist dabei Sinnbild für die biopolitischen Prozesse und gleichzeitig auch für gesellschaftlichen Wandel.

Die Mühle biete somit einen assoziationsreichen Fundus, um sich sowohl mit gesellschaftlichen oder erzählerischen Themen als auch mit Materialien und formalen Fragestellungen zu befassen. Zur Ausstellung erscheint eine Publikation.

Pressemitteilung des Künstlerbundes
PM 29. Landesweite Kunstschau 2019 des KMV Vom Groben zum Feinen