Rudolf Bartels


 

Rudolf Bartels (1872-1943)

Regenbogen, 1924
Öl auf Leinwand,

Maße:
71,5 x 98 cm
Kunstmuseum Schwaan

Dass  Rudolf Bartels sich zeitlebens bei aller Konzentration und Abstraktion des Gegenständlichen der Natur und deren Unantastbarkeit verpflichtet fühlte, kommt in einem Gespräch mit Oscar Gehrig aus dem Jahre 1931 zum Ausdruck: “ … Ich wollte steigern, was ich in der Natur sah, es sollte werden wie das Ideal, was ich seit Kindertagen in mir trage, sollte leuchten und glänzen wie Edelsteine…“. Von diesem Leuchten legen die Serien mit Regenbögen, Seifenblasen und vor allem Laternen beredtes Zeugnis ab. Sie alle befassen sich mit der Wirkung von reinen zu gebrochenen Farben in einem von unterschiedlichen Lichtquellen bestimmten inhaltlichen Zusammenhang. Dass es sich bei den genannten Themen um Folgen handelt, wurde erst bei zunehmender Kenntnis des Gesamtwerkes von Rudolf Bartels deutlich. Da immer wieder bis dato  Bilder neu entdeckt werden, gilt der zahlenmäßige Umfang und das Wissen um die Entstehungszeiten der  Bilder der Serien heute noch nicht als abgeschlossen. Die zeitlichen Zuordnungen der Gemälde bereiten oft Schwierigkeiten, da Bartels wie Bunke nur wenige Arbeiten datierten. Hier sind häufiger Veröffentlichungen hilfreich.

So  wissen wir aus dem“ Rostocker Anzeiger“  vom 1. April 1906, dass sich Rudolf Bartels bereits seit dieser Zeit mit der Darstellung von Regenbögen, auch doppelten, befasste. Der Faszination dieser einprägsamen  Bildschöpfungen, die die Wirkung der Spektralfarben des  Regenbogens gegen sattes, flächig behandeltes Grün bis Violett einer weiten Landschaft veranschaulichen, kann sich der Betrachter bis heute kaum entziehen. Bei diesem Gemälde handelt es sich um eine kompositorisch kaum veränderte Fassung des frühesten bekannt gewordenen Bildes aus dem Jahre 1906, wobei im Unterschied zu jenem alle Farben des Spektrums Anwendung finden. Die mittels eines Tümpels aufgebrochene Fläche des Vordergrundes mit  locker gesetztem Weiß  von angedeuteten Seerosen, bildet einen lebendigen Kontrast zu der akkuraten Wölbung des Regenbogens. Die Dächer einer angedeuteten Häuserreihe am Horizont lassen dessen Orange nochmals aufleuchten. Auch hier findet der für Rudolf Bartels typische flach aufgetragene, in sich farbig strukturierte Strich Anwendung. Nur der leuchtende Regenbogen ist fließender modelliert.

[Quelle: Autorin Lisa Jürß, Auszug aus Edition Logika, Band 17, 2014]