August 2018 – SPÄTERE JAHRE

KÜNSTLERKOLONIE SCHWAAN – DIE JAHRE NACH 1920

09.08. – 02.09.18

Das intensive schöpferische Leben in der Künstlerkolonie Schwaan hatte praktisch mit Beginn des Ersten Weltkrieges und dem Kriegsdienst der jüngeren Maler ein jähes Ende gefunden. Franz Bunke kam nun mit nur wenigen Schülern nach wie vor in seine Heimatstadt zum Malen. Sie blieben bis auf Rudolf Bechstein und Wilhelm Facklam aber namentlich unbekannt. Bunke blieb zeitlebens Leitfigur, Repräsentant und zentrale Persönlichkeit der Künstlerkolonie. Dennoch haben hier weitere Künstler und Freizeitmaler, zumeist gebürtige Schwaaner, gewirkt. Helene Dolberg, eine anerkannte Rostocker Malerin, betrieb gelegentlich in Schwaan Naturstudien. Franz Bunke war anhaltend bestrebt auch Laienkünstlern bei ihren Bemühungen nachhaltig zu unterstützen.

Der gebürtigen Schwaaner Maler Fritz Moeller – Schlünz fand seinen Lebensmittelpunkt in Lübeck. Seine Arbeiten sind von kraftvollem, teilweise spätimpressionistisch Kolorit und lockerem Strich geprägt. Selbstbildnisse weisen Moeller-Schlünz als guten Porträtisten aus.

Vor allem durch Ankäufe aus seinem Nachlass kamen einige Arbeiten in die Sammlung des Museums. Ebenfalls außerhalb seiner Heimatstadt entwickelte sich das Talent des Bildhauers Wilhelm Kruse. Sein Vater unterhielt im Haus der Fritz- Reuter – Straße eine Tischlerei. Er war vor allem in Berlin tätig. Über seine Arbeiten und deren Verbleib ist leider bisher nur sehr wenig bekannt.

Zu den teilweise in Schwaan ansässigen malenden Laienschaffenden gehören unter anderem Karl Zülow, Willi Möller und Harry Rutenbeck. Sie erhielten in ihren jungen Jahren gelegentliche Unterweisungen von Franz Bunke und haben sich auch nach dessen Ableben künstlerisch betätigt. Da ihr Thema die Stadt und die sie umgebende Landschaft war, befinden sich zahlreiche Arbeiten ihrer Hand in privatem Besitz.

Das Kunstmuseum hat mit der Sammlungstätigkeit die schöpferischen Leistungen bestimmter Freizeitmaler gewürdigt, da diese, gemeinsam mit den professionellen Künstlern einen erheblichen Anteil an der kulturellen Atmosphäre des Ortes hatten.
Fernab von allen Kunstzentren und Kunstschulen musste die Erinnerung an jene schöpferische Atmosphäre um die Jahrhundertwende verblassen, zumal in Schwaan weder kommerzielle Ambitionen aufkamen, noch irgendwelche andere Anziehungspunkte für Besucher belebt wurden. Bis auf wenige Arbeiten von Bunke und Bartels verblieben die Nachlässe in weit verstreutem, zumeist unbekanntem privaten Besitz, sodass größere Einzelausstellungen in Schwaan erst mit der Eröffnung des Museums möglich wurden.