Juni 2018 – FRAUENPOWER

FRAUEN IN DER KÜNSTLERKOLONIE

07.06. – 01.07.18

Das Phänomen der “Malweiber” resultiert aus der Umbruchstimmung des beginnenden 19. Jahrhunderts: Beginn der Freilichtmalerei, ein Wechsel im traditionellen Rollenverständnis der Frau, bis hin zu äußeren Zeichen wie der Weigerung vieler Frauen, ein Korsett zu tragen. (Nicht zu vergessen, dass zu dieser Zeit die weibliche Bevölkerung weder aktives noch passives Wahlrecht besaß.) Die Männer verteidigten ihre Künstler-Domäne mit allen Mitteln und versuchten nach Kräften das kreative Potenzial der Frauen klein zu halten. Kunst und Anerkennung war Herren vorbehalten.
Frauen wurden erst während der Weimarer Republik an Kunstakademien zugelassen: Berlin 1919, München 1921, Stuttgart war eine Ausnahme: 1892. Wollten Frauen malen lernen, mussten sie teuren Privatunterricht nehmen dort wo es Künstler gab: In Künstlerkolonien. Die Malweiber waren die Avantgarde ihres Zeitalters. Sie zeichnete ein hohes Maß an Unabhängigkeit, Courage, Kreativität und Durchsetzungsvermögen sowie zäher Lebenswille aus. [Merkur, 04.05.09]


Über die Malfrauen in der Kolonie Schwaan ist nur wenig bekannt. In Weimar waren zahlreiche Frauen zum Malstudium eingetragen und wir wissen, dass einige von Ihnen mit Bunke, Bartels und anderen Künstlern zum Naturstudium nach Schwaan kamen. Zu Ihnen zählen Helene Dolberg, Ilse Jonas, Elisabeth von Aster, Hedwig von Germar, Lilly Schmidt, Edith Falke, sowie die Studentinnen Eckhardstein, Rampelmann, Barkenhöft, Haik und Fischer.


Helene Dolberg
Barkow 1881 -1979 Hildesheim
Helene Dolberg wird als Tochter eines Pastors geboren. Nach der Schulausbildung besuchte sie die Malerinnenschule in Berlin Schlachtensee. Nach der erfolgreichen Ausbildung zur Lehrerin ist sie später in der Eifel tätig. Ab 1920 ist sie in Rostock ansässig, nimmt dann später, von 1924 bis 1927, ein Malstudium in Leipzig auf. Ab 1930 arbeitet  Dolberg als Organistenamt in Malchow, verlegt 1946 bis 1954 erneuter ihren Wohnsitz nach Rostock.


Hedwig von Germar
Weimar 1854 – unbekannt
von Germar erhält eine Ausbildung an der Weimarer Malschule und reist im Sommer mit Franz Bunke zu einem Studienaufenthalte in Schwaan.


Ilse Jonas
Berlin 1884 -1922 Berlin
Ilse Jonas ist Tochter eines Schulrates. Sie nahm als Jugendliche privaten Malunterricht, begann 1904 ein Studium im Verein der Künstlerinnen zu Berlin. Im September 1916 erfolgte ein Besuch in Schwaan. Aus diesem Aufenthalt resultieren Zeichnungen der Holzbrücke in Schwaan und der alten Scheune in Wiendorf. 1922 wird Ilse Jonas Mitglied im Verein der Künstlerinnen in Berlin.


Erna  Juliane Heinsohn
1884 – 03.08.1911 (Freitod) Hamburg,
Erna Heinsohn ist die Schwester von Alfred Heinsohn.
Sie besuchte die höhere Töchterschule, später erhielt Erna Heinsohn Privatunterricht auf dem Lande von einem Pastor in Brandenburg. Bekannt ist auch ein Eintrag in der Hamburger Gewerbeschule.
Ab 1909 besuchte sie die Großherzoglich sächsische Hochschule für bildende Kunst. Später erfolgte ein Umzug nach Berlin.



 

Lyrische Stunde
Hannah Lenz, freischaffende Künstlerin,
lädt am Donnerstag, 21. Juni 2018, um 17:00 Uhr
zur Dichtung in Versen ein.
Preis: 8,00 €

Um Voranmeldung wird gebeten!